Brutboxenprojekt 2020

Zeigt ein Fischbestand in einem Gewässer Schwächen in der Populations-Struktur, so kann die Erbrütung von Bachforellen-Eiern neben Habitat verbessernden Maßnahmen ein geeignetes Mittel sein, der Natur hier unter die Arme zu greifen. Die geschlüpften Larven können sich von Beginn an die Wasserparameter und den Strömungsdruck gewöhnen und müssen, nachdem sie noch eine Weile von ihrem Dottersack zehren dürfen, selbst auf Futtersuche gehen. Diese Fähigkeit hat ihnen die Natur aber in die Wiege gelegt. Besatzfische aus der Zucht werden in Teichen gehalten und gefüttert, sie müssen die Nahrungsaufnahme nach dem Einsetzen in den Bach umstellen und aktiv auf Nahrungssuche gehen, sowie sich in der Kürze der Zeit an Wasser und Strömungsdruck gewöhnen. Nicht selten sind Zuchtfische diesen Herausforderungen in Kombination nicht gewachsen und schaffen die Umstellung nicht.  1:0 für die Brutbox...........

Am 08. Februar morgens gings los. Ab nach Salgen und 10.000 vorgebrütete Bachforellen-Eier holen. Die Winterwochen davor ohne Angelei wurden genutzt, um alles vorzubereiten. Die Brutboxen mussten gebaut werden. Also Baupläne besorgen, Fein-Tuning daran machen und den Bau starten. Auch das Besorgen aller notwendigen Teile war manchmal eine Herausforderung. Bei Stefan hat das Zusammenbauen für die eine oder andere schlaflose Nacht gesorgt. Aber nachdem ein guter Platz an der Konstanzer Ach gefunden war und die Box alle Schwimm-Tests bestanden hatte, war zum Start alles bereit. Am Wasser gab es dann für alle Brutboxenpfleger noch eine Einweisung in den Ablauf. Wie wird das Einlaufsieb geöffnet, welche Eier sind auszusortieren und wofür ist die Saucen-Spritze? Aber am wichtigsten: Bei Wassertemperaturen um die 4 Grad die lange Unterhose nicht vergessen! Dann gings los und die Eier kamen in Ihr neues Zuhause für die nächsten Wochen. Seitdem sind 2 Wochen vergangen und es verging quasi kein Tag ohne Kontrollgang und Pflege. 


Den Sturm „Sabine“ hat das System schon überstanden  und wir sind weiter zuversichtlich, in einigen Wochen tausende Brütlinge in die Konstanzer Ach entlassen zu können. Die ersten Brütlinge mit Dottersack sind bereits geschlüft. More to come.....Gruß Bernd

Update 12.03.2020: Es sind über 4 Wochen seit dem Einsetzen der Eier vergangen und es hat sich einiges getan. Mittlerweile sind fast alle Brütlinge geschlüpft. Leider mussten wir bis dahin nicht unerhebliche Verluste verzeichnen. Rauhe Wetterbedingungen und häufig hohe Wasserstände mit viel Sediment haben den Eiern schwer zugesetzt und wir mussten über 3.000 abgestorbene Eier und Brütlinge entfernen. Nun ist die Mortalität fast gegen Null zurückgegangen. Die Larven mit Dottersack sind schon recht agil und reagieren auf Reize. Es werden noch 2-3 Wochen ins Land ziehen, bis die Larven den Dottersack aufgezehrt haben und sie in den Bach entlassen werden können. Ein großer Vorteil der schwimmenden Box ist, dass die Brütlinge nicht unkontrolliert in den Bach entschwinden können. Sie werden von uns gezielt in die Schonstrecke umgesetzt. Bilder vom großen Tag folgen.

Grüße Antonio

Update 05.04.2020: Gestern war der große Tag, Miguel und ich haben am Nachmittag ca. 6.100 Bachforellenbrütlinge in die Schonstrecke eingesetzt und die Brutbox aufgelöst. Ein wirklicher toller Moment, wenn die kleinen Stinker nach wochenlanger, mühevoller Arbeit in die Freiheit entlassen werden können.


Vielen Dank an alle Helfer. Ihr habt mit Eurem Einsatz dazu beigetragen, dass wir den in meinen Augen wichtigsten Besatz für die Konstanzer Ach einbringen konnten. Ein Brütling, der in seinem Gewässer aus dem Ei geschlüpft ist und von Anfang an eigenständig auf Nahrungssuche gehen muss, sich dem Strömungsdruck anpassen und sich vor Fressfeinden verstecken muss. Hoffen wir, dass es viele bis ins laichfähige Alter schaffen werden.

Grüße Antonio